Aktionen gegen teure Mieten und Wohnungsmangel

"FETTE MIETEN"-PARTY GEGEN STEIGENDE MIETEN

Die Aktion steht im Kontext der „Recht auf Stadt“-Bewegung, die sich seit Sommer 2009 u.a. gegen steigende Mieten und die Verdrängung von BewohnerInnen einsetzt. Während fast 1 Mio. Quadratmeter an Büro- und Gewerbeflächen leer stehen, fehlt es in Hamburg an bezahlbarem Wohnraum. Jedes Jahr werden in Hamburg über 3.000 Wohnungen zu wenig gebaut, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Gleichzeitig wird immer mehr Wohnraum luxussaniert oder/und in Eigentum umgewandelt. Der Mangel an Wohnraum in innenstadtnahen Quartieren – gegen den vom schwarz-grünen Senat nichts unternommen wird – hat dazu geführt, dass die Mieten explodieren – in St. Pauli um ganze 27,7 % seit 2005. Die Wohnungsknappheit ermöglicht es Vermietern und Immobilienfirmen, immer horrendere Mieten zu verlangen. Einkommensschwache Bevölkerungsgruppen werden in Folge dieser Entwicklung an den Stadtrand gedrängt bzw. erhalten in bestimmten Stadtteilen erst gar keine Wohnungen mehr. Aber auch diejenigen, die sich die Miete noch leisten können, müssen einen immer höheren Anteil ihres Monatseinkommens für Wohnen ausgeben. Inzwischen liegt dieser Anteil bei der Hamburger Bevölkerung im Durchschnitt bei 36 bis 45 % (während der bundesdeutsche Durchschnitt nur bei 25,5 % liegt).

In Anlehnung an ähnliche Aktionen in Paris und der Schweiz machten sich etwa 25 AktivistInnen aus dem Umfeld der „Recht auf Stadt“-Bewegung heute zu einer Wohnungsbesichtigung im Karolinenviertel auf, um ein Zeichen gegen die unsoziale Wohnungspolitik des schwarz-grünen Hamburger Senats und die (von VermieterInnen und Wohnungsunternehmen zu verantwortenden) teuren und weiter steigenden Mieten zu setzen. In einem verteilten Flyer hieß es: „Wir wollen uns mit dieser Aktion einsetzen für eine Wohnungspolitik, die sich an den Bedürfnissen der MieterInnen und Wohnungssuchenden orientiert – und nicht an den Profitinteressen von Immobilienfirmen. Recht auf Stadt heißt für uns auch Recht auf (bezahlbaren) Wohnraum – am besten in gesellschaftlichem Eigentum!“

Beim Objekt handelte es sich um eine 3-Zimmer-Wohnung mit etwa 60 Quadratmetern und Durchgangszimmer, die für eine Kaltmiete von 720 Euro (850 Euro warm), also etwa 12 Euro/qm vermietet werden sollte. Gegen 18 Uhr begann die Party im Haus mit Sekt und (etwas verspätet auch) Musik, der Makler reagierte teilweise etwas verärgert, legte sich mit einem anwesenden Pressefotografen an und drohte mehrmals mit der Polizei. Die Reaktionen anderer Wohnungssuchender fielen unterschiedlich aus, viele schmunzelten und manche tranken auch einen Sekt mit. Nach etwa 20 Minuten wurde die Aktion erfolgreich beendet, weitere Aktionen gegen die Wohnungspolitik in Hamburg wurden aber bereits angekündigt.

In den kommenden Tagen wird es weitere Veranstaltungen zur Thematik Wohnen und Mieten geben. Am Donnerstag, den 29. April, findet um 19 Uhr die 2. Versammlung von SAGA-GWG-MieterInnen im Centro Sociale statt (die SAGA-GWG ist die städtische Wohnungsgesellschaft, in deren Wohnungen rund 300.000 Menschen wohnen). Organisiert wird die Versammlung, zu der auch die neue SAGA-MieterInnen-Zeitung „2Prozent“ aufruft, von der AG Mieten und Wohnen im „Recht auf Stadt“-Netzwerk. Gegen die Hamburger Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik protestieren kann mensch auch am 1. Mai: Avanti Hamburg ruft dazu auf, sich an einem MieterInnen- und Initiativenblock auf der DGB-Demo (11 Uhr, Besenbinderhof) und der Euromayday-Parade (14 Uhr, Park Fiction) zu beteiligen.

Mehr Infos: http://www.rechtaufstadt.net