Infoveranstaltung "Castor und Atomkraft"

26.10.2010 18:00 - 20:00
CAP2, Hörsaal A (Audimax der Uni)
Nach der Entscheidung der Koalition, die Laufzeiten der bundesdeutschen
Atomkraftwerke zu verlängern, spitzt sich die Situation vor dem nächsten
Castortransport Anfang November drastisch zu. AtomkraftgegnerInnen rufen
auf zum gemeinsamen "Schottern" der Schienenstrecke, die
Staatsanwaltschaft droht Ermittlungsverfahren gegen AktivistInnen und
prominente Unterstützer an, die Gewerkschaft der Polizei will nicht
Vollstrecker einer gegen die Mehrheit der Bevölkerung gerichteten
Politik werden. Die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 hat gezeigt, dass
ein großer Teil der Menschen in Deutschland bereit sind, gegen politisch
bereits beschlossene Großprojekte aktiven Widerstand zu leisten.

Die Debatte um Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke ist ein
Lehrstück für den Zustand unserer Gesellschaft. Auf der einen Seite
findet sich eine große Bevölkerungsmehrheit gegen Atomkraft. Auf der
anderen Seite stehen die vier großen Energiemonopolisten E.on, RWE, EnBW
und Vattenfall, denen eine Verlängerung der Laufzeiten Milliarden an
Extraprofiten sichern würde. Die Vergesellschaftung der
Energiewirtschaft ist die Voraussetzung dafür, aus der Atom- und
Kohleverstromung sofort auszusteigen und statt dessen auf dezentrale und
flexible Alternativ-Energien zu setzen.


Die Veranstaltung soll sich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen:

Gorleben - Endlager, Zwischenlager? Welche Bedeutung hat die
Durchsetzung von Gorleben für die Atompläne der Bundesrepublik? Welche
strategische Bedeutung hat der Kampf gegen die Castortransporte für die
Anti-Atom-Bewegung? Kann die geplante verlängerte Nutzung von Atomkraft
ohne Castortransporte und ohne das Endlager in Gorleben überhaupt
stattfinden?

Behinderung der Castortransporte - Machtfrage in der Atomfrage? Kann
eine massive Behinderung der Castortransporte in diesem Herbst die
Entscheidung der Bundesregierung für die Laufzeitverlängerung kippen?

Welche Gegenaktivitäten sind für die aktuellen Castortransporte in der
ersten Novemberwoche geplant?


Repression gegen die Anti-Castorbewegung

Bereits vor Jahrzehnten warnte die Anti-AKW-Bewegung vor einem
"Atomstaat", in dem die Polizei die verfehlten Atompläne der
Bundesregierung durchprügeln muss. Zum aktuellen Castortransport sollen
mehr als 16.000 Polizeibeamte zur Sicherung eingesetzt werden.
Zahlreiche Strafverfahren sind eingeleitet. Wir geben einen Überblick
über die Reaktion der Staatsgewalt, den Stand der Ermittlungsverfahren
und die Aussichten für die Widerstandsaktionen.