Tresengespräch

Militarisierung und Geschlechterverhältnisse

15.09.2010 19:30
Centro Sociale, Sternstrasse 2

Deutschland führt Krieg: Die Bundeswehr setzt zur Zeit in insgesamt elf Auslandseinsätzen deutsche (Kapital-)Interessen mit Waffengewalt durch. Dementsprechend wurde die Bundeswehr von einer formal auf Landesverteidigung ausgelegten Armee zu einer weltweit einsatzfähigen Interventionsarmee umgebaut.

Militärische Logiken sind tief in unserem Alltag verankert. Mehr und mehr gesellschaftliche Bereiche werden vom Militär durchdrungen und für militärische Interessen nutzbar gemacht. Die Bundeswehr wirbt an Schulen und Arbeitsämtern, Hochschulen sind an militärischen Forschungsprojekten beteiligt, zivile Einrichtungen werden in militärische Logistik eingebunden.

Eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Wirkungen von Militär ist die Herstellung eines ganz bestimmten Typus von „Männlichkeit“ und einer ganz bestimmten Vorstellung von der Ordnung der Geschlechter: Mann sein heißt gepanzert siegen können, Frau sein heißt schützend gebären können: diese biologistische Sichtweise ist fundamental für die vorherrschende Geschlechterrollenverteilung – nicht nur im Krieg und nicht nur im Militär.

Das Militär profi tiert vom hierarchischen Geschlechterdualismus, reproduziert und verstärkt ihn - Militärkritik ohne Männlichkeitskritik greift also immer zu kurz.

Allerdings werden in den heutigen Zeiten weltweiter Militär- und Polizeieinsätze Eigenschaften für das Militär interessant, die der sogenannten „Weiblichkeit“ zugeschrieben werden: z.B. sollen weibliche Soldaten beim Auftreten des Militärs als Besatzungsmacht gegenüber der Zivilbevölkerung deeskalierend wirken.

Sie sollen das Image des Militärs als vermeintlich friedfertig und menschenfreundlich fördern und somit die gesellschaftliche Akzeptanz für Kriegseinsätze erhöhen.

Höchste Zeit zu handeln! Kritik an (deutscher) Kriegspolitik und Kritik an den Geschlechterverhältnissen müssen Hand in Hand gehen und praktisch werden!

Als Form haben wir das “moderierte Tresengespräch” gewählt: keine klassische Podiumsdiskussion, sondern ein eher lockerer Gesprächsverlauf mit viel Möglichkeit der Publikumsbeteiligung.

 

Mit uns diskutieren: Tanja (Lüneburg), Maren (Hannover), Louise (Berlin)

 

Veranstalterinnen: amiga, feministische Frauen_Lesbengruppe Hamburg

und Arbeitsgruppe „Geschlechterverhältnisse“ von avanti Hamburg.

 

Veranstaltungsort ist das Centro Sociale