Kampagne gegen Mietenwahnsinn in Hamburg

Tausende bei Open-Air-Konzert "Miete nervt!"

Am Sonnabend, den 15. Oktober, fand im Hamburger Schanzenviertel unter dem Motto „Miete nervt! – Wohnraum vergesellschaften“ ein von mehreren tausend Menschen besuchtes Open-Air-Konzert statt. Das Konzert diente der Mobilisierung zur Demonstration „Mietenwahnsinn stoppen“ in zwei Wochen, am 29. Oktober, das von einem breiten Bündnis vor allem aus Recht-auf-Stadt-Initiativen vorbereitet wird.

Die Kampagne „Mietenwahnsinn stoppen“ wurde von Gruppen aus dem Netzwerk „Recht auf Stadt“ bereits Anfang des Jahres 2011, zunächst mit einer programmatischen Erklärung ins Leben gerufen. Die Erklärung richtete sich gegen die steigenden Mieten in der Stadt und die Wohnungspolitik von Senat und Immobilienkonzernen und forderte eine Mietobergrenze von 4 Euro pro Quadratmeter ein. Seit Sommer wird nun zu einer großen Demonstration mobilisiert, die an die Demo „Leerstand zu Wohnraum“ vom 23. Oktober letzten Jahres anknüpfen soll. Mittlerweile rufen mehr als 80 Stadtteilinitiativen, Mietervereine, linke Organisationen, Wohnprojekte, Sozial- und Parteiverbände und Fußballfanclubs zu der Demo auf.

Bereits am Vormittag des 15. Oktober wurde auf der Treppe der besetzten Roten Flora eine Bühne aufgebaut und die Vorbereitungen für das unangemeldete Konzert, das auf der Straße vor dem Zentrum stattfinden sollte, getroffen. Die Polizei tolerierte die Aktion und beschränkte sich auf die Absperrung der Straße. Während der Kundgebung „Occupy Hamburg“, die ab 14 Uhr auf dem Rathausmarkt stattfand, wurde eifrig für Demo und Konzert geworben. Um 16 Uhr begann das Konzert, nach und nach trafen zeitweise bis zu 3.000 Menschen ein, um Frank Spilker (Die Sterne), Jan Plewka, der Songs von Rio Reiser sang, die RapperInnen Chaoze One & Lotta C. und die Elektro-Combo Frittenbude zu sehen. Insgesamt besuchten das Konzert, das erst nach 22 Uhr endete, und die anschließende Party in der Flora mehrere tausend Menschen.

Zwischen den Auftritten der einzelnen Acts wurden Redebeiträge gehalten, die die unterschiedlichen Konfliktfelder und stadtpolitischen Kämpfe in Hamburg thematisierten. Der Besitzer des Hansa-Treffs aus St. Georg sprach beispielsweise über die gezielte Vertreibungspolitik in dem bahnhofsnahen Stadtteil. Die Altonaer Plattform gegen Verdrängung wandte sich gegen den „Zukunftsplan Altona“ der Stadt, mit dem die als „ungünstig“ erachtete Bevölkerungsstruktur in den Stadtteilen Altona-Altstadt und Altona-Nord gegen zahlungskräftigere Klientel ausgetauscht werden soll. Die Initiative AZ Altona, aus deren Umfeld im April 2011 das leerstehende ehemalige Finanzamt besetzt worden war, forderte ein selbstverwaltetes Stadtteilzentrum. Ein Aktivist von Avanti Hamburg machte sich für das Modell der Vergesellschaftung von Wohnraum als Alternative zu steigenden Mieten und der dahinter stehenden Eigentums- und Immobilienverwertungslogik stark. Weitere Redebeiträge kamen vom Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot, der Kampagne "Flora bleibt unverträglich", dem Bündnis "Mietenwahnsinn stoppen", dem Arbeitskreis Umstrukturierung (AKU) Wilhelmsburg und den Initiativen Esso-Häuser und NoBNQ aus St. Pauli. Vorgestellt wurde auch die Aktion „Topfschlagen gegen Mietenwahnsinn“, bei der im Vorfeld der Demonstration am 27. Oktober möglichst viele Mieterinnen und Mieter lautstark ihrem Unmut über die Mieten- und Wohnungssituation in der Stadt Luft machen sollen.

Das mit einer direkten Aneignung der Straße verbundene Mobilisierungskonzert war nur ein Mosaikstein in der aktuellen Kampagne gegen den Mietenwahnsinn in Hamburg. Bereits in den nächsten Tagen finden Veranstaltungen und Stadtteilversammlungen zum Thema in Wilhelmsburg (17.10., 19 Uhr, BI Rudolfstraße 5), St. Pauli (22.10., 15 Uhr, Ganztagsschule) und Altona (25.10., 19 Uhr, Große Bergstraße 154) statt. Die Demonstration am 29.10. startet ab 13 Uhr vom Millerntorplatz an der U-Bahnstation St. Pauli.

Weitere Termine und aktuelle Infos finden sich auf: www.mietenwahnsinn.de. Werdet selbst aktiv und wehrt euch gegen steigende Mieten, Leerstand und Wohnungsnot!